Richard Jacob Weissgerber – Modell „Große Konzert Solo“ 1951/1955

7.999,00 

inkl. MwSt. (differenzbesteuert nach §25a UStG.)

Anrufen zur Produktanfrage
  • Modell „Große Konzert Solo“
  • Hersteller Richard Jacob Weissgerber
  • Baujahr zwischen 1951 und 1955
  • Zustand gebraucht, sehr gut
  • Fichtendecke massiv
  • Boden & Zargen indischer Palisander massiv
  • Hals Mahagoni mit Palisander Furnier
  • Mechaniken Rubner
  • Originalkoffer: Nein
  • Koffer inklusive: Ja
  • Mensur 650mm
  • Sattelbreite 52mm
  • Gewicht 1286 Gramm

Richard Jacob Weissgerber gilt bis heute als einer der bedeutensten und einflussreichsten Gitarrenbauer des 20. Jahrhunderts, wenn es um Konzertgitarren geht. Gut erhaltene Originale sind selten und bei Spielern wie Sammlern gleichermaßen begehrt. Bei diesem vermutlich zwischen 1951 und 1955 gebauten Modell „Große Konzert Solo“, handelt es sich um ein wunderschön gearbeitetes und klanglich herausragendes Exemplar des deutschen Meisters mit spannender Geschichte bzg. Vorgeschichte. Die Decke besteht aus massiver Fichte, Boden und Zargen aus feinem Palisander. Die feinen Schnitzereien auf der Vorderseite und Rückseite der Kopfplatte sind beeindruckend schön und typisch Weissgerber.

Wunderbar leicht gebaut, glänzt diese Gitarre von der tollen Optik einmal abgesehen mit einer wunderbar schnellen Ansprache, Feinheit im Ton und wunderbar warmen Mitten und Bässen.

Der technische Zustand des Instrumentes wurde in unserer Meisterwerkstatt genauestens geprüft und ist einwandfrei. Die Sichtbaren Risse in der Decke wurden in der Vergangenheit absolut professionell repariert und sich absolut unbedenklich. Der Halswinkel ist gut, die Saitenlage sehr angenehm und der Zustand der Bünde ist ebenfalls einwandfrei.

Um die Echtheit, Herkunft und Geschichte dieser Gitarre bestmöglich zu dokumentieren, wurde ein ausführliches Gutachten des Weissgerber Experten Christof Hanusch erstellt, welches das hier angebotene Instrument detailliert bescheibt. Davon einige Auszüge hier:

Gutachten zur
„Weißgerber“-Gitarre
Konzert-Modell mit gekehlter Decke und Boden
Richard Jacob, Markneukirchen, 1951/1955
Palisander/Fichte, Mensur 650 mm
Signaturen: keine
Beschreibung:
Boden und Zargen bestehen aus indischem Palisander, die Decke ist aus Fichte. Sowohl
Decke als auch Boden haben eine flach ausgearbeitete Hohlkehle. Der Hals ist mit einem
Furnier aus Palisander belegt, der Kern aus Fichte.

Zu den Besonderheiten gehören ebenfalls das querliegende ovale Schallloch und der 3
Bogenkopf, dessen Kopfplatten vorn und hinten mit aufwendigen Holzschnitzereien verziert
sind. Auffällig sind auch der furnierte Hals, der plastisch ausgearbeitete Zapfen des
Kopfanschäfters sowie die Perlmutt-Einlage im 5. Bund des Griffbrettes.
Die schwarzen Punkte im Boden im Bereich des Ober- und Unterklotzes bezeugen die
vormalige Öffnung des Instrumentes während einer Reparatur. Mittels dieser beiden Dübel
wurde der Boden beim Wiederaufsetzen fixiert.
Das Instrument befindet sich insgesamt in einem sehr guten und spielfähigen Zustand.
Maße in mm:
Mensur 650
Sattelbreite 52
Gesamtlänge 999
Korpus485
Länge
Breite
Höhe --> 295 – 257 – 377

Obwohl keine Signaturen oder Kennzeichnungen des Herstellers vorhanden sind, lässt sich
anhand des speziellen Modells sowie an der spezifischen Verarbeitung der einzelnen Bauteile
feststellen, dass es sich hier unzweifelhaft um eine Arbeit des Markneukirchner
Gitarrenbauers Richard Jacob „Weißgerber“ (1877–1960) handelt.
Charakteristische Merkmale zur Identifizierung des Erbauers: – Spezielle Modellform – Hohlkehle in Decke und Boden – Ovales Schallloch – Erhabener Zapfen des Kopfanschäfters – Furnierter Hals – Mit Zierspänen unterlegtes Griffbrett – Perlmutteinlage im Griffbrett (Art der Ausführung) – Steg
Diese signifikanten Merkmale präsentieren in der spezifischen Form ihrer Ausarbeitung den
individuellen Spätstil Richard Jacobs. Die oben aufgeführten Details der Ausführung sind als
explizite handwerkliche Signaturen dieses spezifischen Meisters zu werten.
Mit der Entfernung des originalen Fugbelages ging die Kennzeichnung mittels des
Brandstempels verloren, den Richard Jacob bei Gitarren aus dunklen Hölzern immer dort
anbrachte.
Es ist davon auszugehen, dass die Gitarre vormals außerdem ein „Weißgerber“-Etikett und
eine Balkennummer trug. Genau an der Stelle auf dem oberen Deckenbalken, an der bei
„Weißgerber“-Gitarren normalerweise die mit Bleistift eingetragene Seriennummer steht,
finden sich rudimentäre Eindrücke einer ehemals vorhandenen Inschrift. Die ursprünglich dort
befindliche Nummer ist jedoch nicht mehr zu entziffern. Später wurden dort zusätzlich
Striche angebracht wurden, die keinesfalls von Richard Jacob stammen. Es sieht so aus, als
wäre die ursprüngliche Nummer weggeschliffen und anschließend darüber gekritzelt worden.
Es gibt keine schlüssige Erklärung dafür, warum sowohl die Balkennummer als auch das
Etikett aus der Gitarre entfernt wurden.
Mitte des Deckenbalkens:
Hier befindet sich normalerweise die mit Bleistift geschriebene Seriennummer bei „Weißgerber“-Gitarren.
Im vorliegenden Fall zeigen sich an dieser Stelle nur rudimentäre Eindrücke der vormals vorhandenen Nummer und einige später hinzugefügte Striche.
Modell und Instrument:
„Weißgerber“-Gitarren mit einer Mensur von 650mm galten als Konzertmodelle. Dies gilt
insbesondere für den hier begutachteten Typus, der in der „Weißgerber“-Werkstatt aufgrund
seiner Korpusmaße und Klangeigenschaften die interne Bezeichnung „Große Konzert Solo“
erhielt. „Weißgerber“-Konzertgitarren dieses Typs wurden insbesondere in den 1960er,
1970er- und 1980er-Jahren durch Gitarristen wie Siegfried Behrend und Monika Rost
weltberühmt.
Richard Jacob stand Anfang der 1950er Jahre am Beginn seiner letzten Schaffensperiode
und entwickelte zu dieser Zeit die Idee für ein neues Modell, das er als sein Vermächtnis
ansah. Für die Konstruktion eines neuen Gitarrentyps nutzte er die in 60 Berufsjahren
gesammelten Erfahrungen. Das „Große Konzert Solo“-Modell kann als Quintessenz seines
Lebenswerkes gelten. Zwischen 1951 und 1960 – dem Jahr seines Todes – schuf der
inzwischen über 70-jährige Meister noch etwa 25 Instrumente dieses Modells. Jedes
Instrument dieses Typs wurde als Einzelstück konzipiert und gebaut.
Das Instrument präsentiert alle für dieses Modell charakteristischen Merkmale, wie die
vergrößerte Form (im internen Katalog der „Weißgerber“-Werkstatt mit „neue Nr. 56“
bezeichnet), Boden und Decke mit Hohlkehle, das querliegende ovale Schallloch sowie den
furnierten Hals.
Das Spätwerk Richard Jacobs ist gut dokumentiert und anhand der bekannten Instrumente
mit Seriennummer fast lückenlos nachvollziehbar. Nach den bisher unbekannten Nummern
könnte es sich hier entweder um die Nr. 36.5/8 oder die Nr. 36.8/8 handeln. Auch wenn
diese Vermutung gegenwärtig nicht belegbar ist, ist die Gitarre aufgrund des Modells und der
Gestaltung definitiv in die Zeit zwischen 1951 und 1955 zu datieren. Steg, Kopfform und
Randgestaltung lassen eher auf 1951 schließen.

Kopf der begutachteten Gitarre
Kopf der „Weißgerber“-Gitarre Nr. 36.5./9., 1951
Die Schnitzereien der Kopfplatten beider Gitarren stammen vom Markneukirchner Holzbildhauer Kurt Otto (1905–2005)
Restaurierung:
Die anhand der äußeren Merkmale eindeutig festzumachende Zuschreibung an Richard
Jacob muss bei einem Blick in das Innere des Korpus relativiert werden. Hier finden sich
Spuren einer umfangreichen Restaurierung. Es ist weder bekannt, wer die Arbeiten im
Inneren ausgeführt hat, noch wann diese vorgenommen wurden. Daran, dass das Instrument
vormals geöffnet worden sein muss, um die Restaurierung durchzuführen, kann es jedoch
keinen Zweifel geben.
Zuerst fällt auf, dass der Boden einen neuen Fugbelag erhalten hat, auch die schräg
laufenden Ausläufer am Oberklotz sind nicht original. Das Bodenreifchen wurde mit einem
zweiten Reifchen aus Ahorn aufgedoppelt, wahrscheinlich um dem Boden beim
Wiederaufsetzen mehr Stabilität zu verleihen.
Vermutlich wurde auch der Unterklotz ebenso wie die auf einem Foto erkennbare
Bodenleiste ausgetauscht.
Die Strahlenbeleistung wurde zumindest teilweise erneuert. Ob die Querbalken noch die
ursprünglichen sind, ist anhand der vorhandenen Fotos nicht erkennbar. Die spezielle Form
der Beleistung ist zwar typisch für „Weißgerber“-Gitarren dieser Zeit, in der Ausarbeitung der
Strahlen präsentiert sich jedoch die Handschrift eines anderen Handwerkers.
Schon die spezifische Art der Ausführung macht klar, dass die kleinen Strahlen- und
Querleisten nicht aus Richard Jacobs Hand stammen. Die Tatsache, dass sowohl die
Strahlen als auch die V-Leisten – sowohl im Unterbug als auch am Halsklotz – bis zum
Deckenrand reichen, untermauert diese Annahme. Dies widerspricht Richard Jacobs Idee
der Konstruktion einer freischwingenden Decke mit Hohlkehle.
Das grundsätzliche Muster der Beleistung der Decke entspricht allerdings dessen
Konstruktionsweise in den 1950er-Jahren. Da zudem keinerlei Spuren eines anderen
Beleistungsmusters zu erkennen sind, ist anzunehmen, dass die neue Beleistung der
ursprünglichen nachempfunden worden ist bzw. diese kopiert. Mit der Nachbildung der
originalen Deckenbeleistung dürfte der ursprüngliche Klang des Instruments weitestgehend
erhalten geblieben sein.

Blick ins Innere des Korpus:
Gut zu erkennen sind der neue Fugbelag mit den schrägen Ausläufern, der an den Seiten beschnittene Halsklotz, das
aufgedoppelte Reifchen aus Ahorn am Boden, die bis an den Deckenrand gezogenen Strahlenleisten
sowie einige der Futter zur Sicherung von Deckenrissen.
Der Halsklotz wurde vermutlich an den Seiten abgeschnitten, um die Deckenrisse an dieser
Stelle sichern zu können. Möglicherweise wurde auch die originale Beleistung entfernt, um
andere Risse besser ausspanen zu können. Dies ist die einzige plausible Erklärung dafür,
dass die Gitarre eine neue Deckenbeleistung erhielt. Aus heutiger Sicht ist dieses Vorgehen
äußerst fragwürdig. Das Ergebnis des Eingriffs ist jedoch irreversibel und muss als integraler
Bestandteil der Geschichte des Instruments akzeptiert werden.

Möglicherweise könnte es den Klang der Gitarre zusätzlich verbessern, wenn man die
Strahlenleisten im Bereich der Hohlkehle leicht kürzen und die Enden stärker ausfedern
würde. Es gibt Spezialisten, die solche Eingriffe ausführen, ohne das Instrument dafür zu
öffnen. Ein solcher Schritt wäre durchaus zu befürworten, da dieser die ursprüngliche
Substanz und die Statik nicht angreift, jedoch den Klang des Instruments dem Original weiter
annähern könnte.
Zur Provenienz:
Die Gitarre wurde Ende der 1990er-Jahre in ihrem jetzigen Zustand vom Münchner
Gitarrenhändler Jiri Knobloch verkauft.
Richard Jacob verkaufte die Gitarren aus seinem Spätwerk ausschließlich direkt an
ausgewählte Gitarristen. Daher ist auszuschließen, dass dieses Instrument anonym über
offizielle Handelswege über die Grenze nach Westdeutschland gelangt ist.
Jiri Knobloch hatte in Weimar Gitarre studiert und Richard Jacob mehrfach besucht. Es ist
belegt, dass er 1957 eine „Weißgerber“-Gitarre von Richard Jacob erwarb. Darüber, ob es
sich dabei um die hier begutachtete Gitarre handelt, kann allerdings nur spekuliert werden,
es wäre jedoch gut möglich.
Eine zweite denkbare Hypothese ist, dass das Instrument über Siegfried Behrend in den
Münchner Raum gelangte. Behrend pflegte enge Kontakte zu Richard und Martin Jacob. Er
besaß selber eine große Sammlung von „Weißgerber“-Gitarren, verkaufte jedoch auch hin
und wieder eines seiner Instrumente weiter.
Jiri Knobloch mit Barbara Effenberger (später verh. Polasek) und Richard Jacob
Fazit:
“Weißgerber”-Gitarren dieser Art aus den 1950er-Jahren sind äußerst selten und daher sehr
begehrt. Gegenwärtig werden Exemplare des „Großen Konzert Solo“-Modells – wenn
überhaupt verfügbar – mit Preisen von bis zu zwanzigtausend Euro gehandelt.

Das hier begutachtete Instrument ist zweifellos eine originale “Weißgerber”-Gitarre aus der
Hand Richard Jacobs. Allerdings wurde die Innenkonstruktion von unbekannter Hand
modifiziert und teilweise erneuert. Aufgrund dieses Eingriffs und der daraus resultierenden
Verfälschung der originalen Substanz ist der Marktwert der begutachteten Gitarre niedriger
anzusetzen.
Dennoch ist es ein hervorragendes Instrument mit bleibendem ideellem und historischem
Wert.
Das Gutachten wurde anhand von Fotos erstellt.

Sattelbreite

52mm

Klassische Gitarre-Form

4/4

Zustand

gebraucht

Produktanfrage senden

    Artikel:


    Sicherheits- und Warnhinweise
    Spezifische Sicherheitshinweise, die für das Produkt gelten, sind in der Bedienungsanleitung des Produkts zu finden.

    Entsorgungshinweise
    Passive E-Gitarren und E-Bässe, deren Koffer und anderes Zubehör müssen vom unsortierten Hausmüll bzw. Siedlungsabfall getrennt bei Recyclinghöfen oder Wertstoffzentren einer umweltgerechten Entsorgung zugeführt werden.
    Für Instrumente mit Aktiv-Elektronik, die also mit Batterien oder gar Phantomspeisung betrieben werden, gelten die Hinweise zur Entsorgung von Elektro-Geräten auf Basis des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes (ElektroG).